Pressecenter
Presseinformation vom 18.05.2020

Österreichische Social Entrepreneurs – der Kampf ums Überleben

Ashoka und die Interessensvertretung SENA machen auf die derzeitig prekäre Situation von Social Entrepreneurs aufmerksam.

Georg Schön, Geschäftsführer von Ashoka

Georg Schön, Geschäftsführer von Ashoka

Zu dieser Presseinformation gibt es: 4 Bilder

Kurztext (403 Zeichen)Plaintext

Die Coronakrise gibt einer bahnbrechenden Idee völlig neue Relevanz und Bedeutung: Nämlich jener des Social Entrepreneurships. Bedauerlicherweise kommen Social Entrepreneurs derzeit unter die Räder der Krise, sie kämpfen ums Überleben und drohen im schlimmsten Fall zur Gänze von der Bildfläche zu verschwinden.

Pressetext (10818 Zeichen)Plaintext

Die Coronakrise gibt einer bahnbrechenden Idee völlig neue Relevanz und Bedeutung: Nämlich jener des Social Entrepreneurships. Bedauerlicherweise kommen Social Entrepreneurs derzeit unter die Räder der Krise, sie kämpfen ums Überleben und drohen im schlimmsten Fall zur Gänze von der Bildfläche zu verschwinden.

Wien, 18. Mai 2020 – in der Coronakrise sind nicht nur die Social Entrepreneurs und ihre Unternehmen mit gesellschaftlichem Mehrwert selbst gefährdet, sondern auch das durch sie geschaffene Ökosystem an Partner/innen, Klient/innen und anderen Unternehmen. Das darf nicht passieren! Dabei ist genau jetzt die große Stunde für Social Entrepreneurs: Sie werden dort wirksam, wo das öffentliche System an seine Grenzen gerät, sie lösen dadurch gesellschaftliche Probleme, sie schaffen Arbeitsplätze und sie entlasten langfristig gesehen - nicht zuletzt durch ihre Steuerleistung - auch die öffentlichen Finanzen.

Werte statt finanzielle Quick-Wins
Es besteht die Gefahr, dass Social Entrepreneurs keiner „Fördererzielgruppe“ zugeordnet werden und somit keinerlei Anspruch auf öffentliche Fördermittel haben oder auch, dass die Politik bei den Konjunkturmaßnahmen, die derzeit verhandelt werden, Social Entrepreneurs vergisst oder vernachlässigt. „Social Entrepreneurs erschaffen die Unternehmensform der Zukunft. Sie entwickeln nachhaltige Geschäftsmodelle, um gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen. Ihr Antrieb ist soziale Wirkung, nicht Profit. Genau das brauchen wir in Zeiten von Corona! Es darf nicht sein, dass Social Entrepreneurs der Zugang zu öffentlichem Geld versperrt wird, weil sie für die Wirtschaft zu sozial und für den Nonprofit-Bereich zu unternehmerisch sind. Ganz im Gegenteil: Genau jetzt braucht es ein Paket, das Social Entrepreneurship zum Durchbruch bringt“, so Georg Schön, Geschäftsführer von Ashoka.

20.000 Jobs im Bereich Social Entrepreneurship gefährdet
Laut SENA beschäftigt ein österreichisches Social Entrepreneurs rund 13 Mitarbeiter/innen – schon vor der Corona Krise waren davon mehr als die Hälfte Teilzeit beschäftigt. Was nun klar wird: Ein Großteil der rund 20.000 sozialen Arbeitsplätze, die durch Social Entrepreneurs geschaffen wurden, sind nun aufgrund der Corona Krise gefährdet. „Wir gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte aller Beschäftigten in Unternehmen mit gesellschaftlichem Mehrwert durch die Corona Krise gefährdet ist, in die Arbeitslosigkeit zu schlittern“, so Dr. Constanze Stockhammer, SENA Geschäftsführerin und meint weiter: „Social Entrepreneurs haben gerade in den letzten Jahren stark in ihr Unternehmertum mit positiver gesellschaftlicher Wirkung investiert. Sie haben volle Fahrt aufgenommen und sind jetzt durch die Corona Krise gegen die Wand gefahren. Wir dürfen sie jetzt nicht hängen lassen - sie brauchen dringend politische und gesellschaftliche Unterstützung.

Fakten: Social Entrepreneurship in Österreich
  • Laut WKO Report 2019 sind nur 18 % der Start-up Gründer/innen Frauen, wohingegen bei Social Entrepreneurs das Geschlechterverhältnis ausgeglichen ist. 
  • Durchschnittlich sind die sozialen Gründer/innen Mitte 40. 
  • Insbesondere profitieren die Bereiche Bildung, Umwelt, Diversity & Inklusion sowie unser Sozialwesen von Social Entrepreneurs. 
  • Laut Stimmungsbarometer unter den Social Entrepreneurs ist die Unzufriedenheit mit Politik und rechtlichen Rahmenbedingungen groß. Sie fühlen sich nicht gesehen, gehört oder anerkannt. 
  • Als größte Herausforderungen werden u.a. Finanzierung und wirtschaftliche Existenz genannt.
  • Sie fordern ein besseres Verständnis für die besonderen Bedürfnisse von Social Entrepreneurs und eine Verbesserung der Stellung von Social Entrepreneurship in der Gesellschaft. 
Die vielen Gesichter des Social Entrepreneurship – mit exklusiven Interviewmöglichkeiten
  • myAbility berät Unternehmen dabei, ein erfolgreiches DisAbility Management aufzubauen. So wird die Inklusion von Menschen mit Behinderung als MitarbeiterInnen und KundInnen ermöglicht. Zusätzlich zur Beratung bietet myAbility DisAbility Trainings für Mitarbeiter, DisAbility Checks zur Überprüfung der Barrierefreiheit der Organisation und UsAbility Tests, um Menschen mit Behinderung als Zielgruppe besser anzusprechen.
  • Helioz hat mit WADI eine kostengünstige einfache technologische Lösung entwickelt, um mit UV-Licht verunreinigtes Wasser zu Trinkwasser zu machen. Dieses stellt insbesondere in Entwicklungsländern eine unbezahlbarer Ressource dar. Durch die dadurch ermöglichte signifikante Reduktion des Verbrauchs an Feuerholz, können CO2-Zertifikate generiert werden, die zur Finanzierung der Lösung herangezogen werden.
  • atempo vermittelt mit der Online-Plattform „ava“ Assistenz und Hilfe in Notlagen für Menschen. Innerhalb von 7 Tagen haben sich 1.000 Assistent*innen und freiwillige Helfer*innen auf ava.services registriert. Mit der capito App bietet atempo zudem täglich aktualisierte CORONA-Infos in drei verschiedenen Sprachstufen (von sehr leicht verständlich bis Umgangssprachlich) kostenlos zum Download für vulnerable Zielgruppen.
  • Vollpension. Das Generationencafé hat mittlerweile zwei Standorte in Wien. Der Gedanke dahinter ist, dass die Mehlspeise nirgends so gut schmeckt wie bei der Oma. Alte Menschen backen und sind Gastgeber in den wunderschön kitschig eingerichteten Lokalen der Vollpension. Ziel ist es, Menschen zusammenzubringen und vor allem gegen Altersarmut und -einsamkeit anzugehen, mit Erfolg.
  • Zeitpolster hat ein Betreuungs- und Vorsorgenetz basierend auf einem Zeitgutschriftenmodell geschaffen. Helfende unterstützen ältere Menschen, Familien mit Kindern oder Menschen mit Behinderung durch verschiedenste einfache Unterstützungsleistungen. Dafür erhalten sie eine Zeitgutschrift, die sie später einlösen können, wenn sie selbst Unterstützung benötigen.
  • Wohnbuddy setzten sich für leistbares Wohnen und gegen Alterseinsamkeit ein. Diese beiden Ziele verbinden sie auf wunderbare Weise, indem sie junge, in Ausbildung befindlichen Menschen auf Wohnungssuche mit alten alleinstehenden Menschen in (zu) großen Wohnungen und Häusern vermitteln. Damit erhalten die jungen Leute eine leistbare Unterkunft und die alten Menschen Ansprache und Unterstützung.
  • OpenCoach bieten Coaching als wichtige Unterstützung gerade für Menschen in sozialen Notlagen leistbar an. Auf einer digitalen Plattform werden Coaches in der Ausbildung, die Praxisstunden brauchen, oder pro bono Coaches mit bedürftigen Personen zusammengebracht.
  • talentify vermittelt Peer-to-peer Lernangebote und Nachhilfe für mehr Bildungsgerechtigkeit sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher. Jetzt in der Krise haben sie dieses Angebot massiv digital verstärkt. Schüler/innen und Partnerschulnetzwerk werden außerdem aktiv bei allen Themen rund um Distance Learning unterstützt.
  • Three Coins haben sich das Thema Bildung auf die Fahne geschrieben. Ziel ist es, den gesunden Umgang mit Geld vermitteln, um gegen Überschuldung und Armut vorzubeugen. Mit einer App, Workshops, Beratung und vielem mehr wollen sie das notwendige Wissen und vor allem Bewusstsein dafür schaffen.
  • Die Fairmittlerei vermittelt gebrauchsfähige Non-Food Produkte, die von Industrie und Handel gespendet werden, an gemeinnützige Organisationen. Industrie und Handel können nicht mehr verkaufsfähige Produkte kosten- und zeitsparend bei der Fairmittlerei „entsorgen“ und übernehmen darüber hinaus Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt. Gemeinnützige Organisationen haben die Möglichkeit, die Spenden zu einem Bruchteil des Marktpreises zu erwerben.
  • heidenspass ist gleichzeitig Upcycling-Design-Werkstatt und soziales Arbeitsprojekt. Im Rahmen des Unternehmens werden Produkte aus gebrauchten Materialien entwickelt und verkauft und dabei jungen Menschen in schwierigen Lebenssituationen unbürokratisch Arbeit geboten.
  • plasticpreneur stellt Maschinen her, mit denen Kunststoff-Recycling im kleinen Maßstab erfolgen kann. In der Covid-Pandemie wurde eine Spritzguss-Form für „Face Shields“ als Schutzausrüstung entwickelt, die es Open Source zu Verfügung stellt.
  • Markta.at unterstützt als digitaler Bauermarkt regionale landwirtschaftliche Produzenten beim Absatz ihrer Produkte.
  • Im Grätzl greift im Ballungsraum Wien EPUs mit verschiedenen Sharing- und Vernetzungsangeboten unter die Arme, um die Einzelkämpfer/innen zu einer Gemeinschaft zu machen. In der Krise wurde auf imGrätzl.at zur Aktion „Selbstständige für Selbstständige und Macher/innen“ aufgerufen. 
Über Ashoka
Weltweit sucht und fördert Ashoka seit 1980 in mehr als 80 Ländern Social Entrepreneurs – Frauen und Männer mit innovativen Konzepten zur Lösung gesellschaftlicher Probleme. Weltweit arbeiten 3.800 Ashoka Fellows an einer besseren Welt. Mit dem Ziel, nicht Profit, sondern gesellschaftlichen Wandel und eine starke, lebendige Zivilgesellschaft zu fördern. Für eine Welt, in der jede/r ein Changemaker sein kann.
Die Tätigkeit von Ashoka in Österreich wird durch die Zusammenarbeit mit Accenture, Austrian Development Agency, Böhringer Ingelheim, CARE Österreich, Descubreme Foundation, EIT Climate-KIC, Essl Foundation, hil-foundation, Ketchum Publico, People Share Foundation, PwC, der Sinnbildungsstiftung, SOS Kinderdorf International und Syncon ermöglicht. Dazu engagieren sich Unternehmer*innen wie Tina Deutsch (Co-Founder Klaiton), Norbert Zimmermann (Aufsichtsratsvorsitzender Berndorf AG) und Martin Rohla (CEO Goodshares) im Rahmen des Ashoka Support Network. Weitere Informationen zu Ashoka und den österreichischen Fellows finden Sie hier: http://austria.ashoka.org/

Über SENA
SENA, das Social Entrepreneurship Network Austria, ist die seit 2018 bestehende Interessenvertretung und Plattform der österreichischen Social Entrepreneurs.
Die Hauptaufgaben von SENA bestehen in der Vernetzung und Unterstützung von Unternehmer*innen mit gesellschaftlichem Mehrwert sowie im Lobbying und der Bewusstseinsbildung für Social Entrepreneurship in Österreich.
Zentrale Mission ist es, diesem Sektor die öffentliche und politische Anerkennung und Unterstützung zukommen zu lassen, die er haben sollte und in zahlreichen anderen Ländern schon hat.SENA wurde und wird in seinem Aufbau und seiner Arbeit besonders gefördert durch Ernst & Young, Austria Wirtschaftsservice sowie der Industriellenvereinigung.
Der Vorstand von SENA setzt sich aus sieben erfolgreichen österreichischen Social Entrepreneurs zusammen: Walburga Fröhlich, Mitgründerin von atempo und Obfrau von SENA, Bernhard Hofer, Gründer von talentify und Obfraustellvertreter von SENA, Wolfgang Kowatsch, Mitgründer von myAbility, Martin Wesian, Gründer von Helioz, Hannah Lux, Mitgründerin der Vollpension, Gernot Jochum-Müller, Gründer von Zeitpolster, Rüder Wetzl-Piewald, Geschäftsführer des Social Business Clubs Styria. Weitere Informationen zu SENA finden Sie hier: https://sena.or.at
Alle Inhalte dieser Presseinformation als .zip: Sofort downloaden In die Lightbox legen

Bilder

2 667 x 4 000
Constanze Stockhammer, SENA Geschäftsführerin
657 x 911
Österreichische Social Entrepreneurs
1 045 x 800
SENA - Social Entrepreneurship Network Austria
1 010 x 162

Kontakt

Manisha Joshi, MA
Account Director, Ketchum Publico
Guglgasse 7-9
1030 Wien
Österreich
Tel.: +43664 80869- 118
manisha.joshi@ketchum.at

Constanze Stockhammer, SENA Geschäftsführerin (. jpg )

Constanze Stockhammer, SENA Geschäftsführerin

Maße Größe
Original 657 x 911 190,8 KB
Small 600 x 832 111,2 KB
Custom x